2012 Das Jahr der Bewusstwerdung
„Die Aufgabe, der wir uns stellen sollten, ist nicht, uns sicher zu fühlen, sondern in der Lage zu sein, Unsicherheit zu tolerieren”
Erich Fromm
Dieses Konzept von Unsicherheit genießt keine gute Reputation, es ist nicht populär. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum verantwortliche und vernünftige Menschen es in ihren schönen Reden bevorzugen, die beruhigende Idee von „Sicherheit“ fordern und heraufbeschwören. Leider findet sich dieses Konzept von Sicherheit weder im menschlichen Körper, noch im Leben, noch in der Welt, in der wir leben. Alles ändert sich von Sekunde zu Sekunde, wir müssen mit der Erkenntnis leben, dass Stabilität und Sicherheit weder zum Programm der Physiologie, noch der Biologie, noch der Psychologie, noch der Soziologie und auch nicht Ökonomie gehören.
Wir haben nicht einfach die Wahl zwischen freundlich gegen bösartig, gut gegen schlecht, positiv gegen negativ, das wäre zu einfach. Der Dualismus ist eine Erfindung der Menschen, ein sinnloser Versuch, alles zu vereinfachen, indem es einfach in zwei Kategorien geteilt wird.
Die Natur versteht sich, lebt und überlebt nur aufgrund ihrer Komplexität, die ihr nicht nur erlaubt, sich zu reproduzieren, sondern sich permanent neu zu erschaffen.
Mehr als jemals zuvor sind die Menschen mitten in einem dichten und undurchdringlichen Dschungel verloren. Deshalb müssen die Menschen sich heute die Zeit nehmen, neue Ziele und Strategien zu definieren. Einstein hat diese Erkenntnis dazu gebracht, zu verkünden, dass es unmöglich ist, die heutigen Probleme mit den Ideen von gestern regeln zu wollen.
So wie unser Körper und unsere Seele Leiden, Schmerzen und Symptome an unser Bewusstsein melden, so versuchen die Weltereignisse unser Bewusstsein zu wecken. Man kann nicht mehr die Augen verschließen und hoffen, dass alles schon wieder in Ordnung kommen wird. Dieses Jahr 2012 wird ein Jahr der Bewusstwerdung, nicht nur auf Seiten der Weisen und Suchenden, sondern für die Mehrheit der Männer und Frauen, die sich mobilisieren und bereit sind zu kämpfen, weil sie überzeugt sind, dass die Welt sich verändern muss.
Ich hatte bereits auf den phantastischen Publikumserfolg des Buches von Stéphane Hessel aus 2011 „Empört Euch!“ verwiesen.
2012 könnte das Jahr des Nein werden
- Nein zum Hunger, der weiterhin alle 5 Sekunden ein kleines Kind tötet.
- Nein zu Kriegen, Aggression und Gewalt, die weiterhin Opfer, die in die 100tausende jährlich gehen, fordern - trotz aller Kommissionen, die sich regelmäßig treffen.
- Nein zur weltweiten Verwicklung in Korruption, geködert vom Gewinn um jeden Preis. Sicherlich trägt Verkauf von Waffen zur Reduzierung von Arbeitslosigkeit bei und unterstützt die Wirtschaft; aber kann man noch glauben, dass mehr Waffen mehr Frieden bedeuten?
- Nein zum überdimensionierten Ego von manchen Managern und Politikern, die glauben, sich alles erlauben zu können und die das System zu ihrem Vorteil missbrauchen, obwohl ihre Aufgabe doch ist, sich in aller Bescheidenheit in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.
- Nein zur Macht eines Systems, das eine bestimmte ökonomische und finanzielle Ordnung auf Kosten der Benachteiligten unterhält.
- Nein zu allen, die sich angewöhnt haben, sich mit einer ungesunden Ordnung abzufinden, in der weder das Leben der Mitmenschen noch der Natur respektiert wird.
Stärken Sie Ihr Bewusstsein
Ernst Bloch hat bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert das „vorgelagerte Bewusstsein“, das Berge versetzen kann, heraufbeschworen.
Das Bewusstsein zu stärken, ist der erste Schritt, Probleme zu lösen. Ist nicht auch der Schmerz, den wir hier und da empfinden, nichts anderes als Bewusstmachung?
Es ist immer wieder sinnvoll, sich bewusst zu machen, dass wir nur ein Leben und eine Gesundheit haben. Dieses Bewusstsein über die Einzigartigkeit des Lebens ist fundamental. Was könnte wichtiger sein?
Wenn erst einmal das individuelle Bewusstsein geschaffen ist, dann ist es sinnvoll, sich darüber bewusst zu werden, dass die Menschheit und ihre 7 Milliarden Individuen eine untrennbare Einheit sind. Wir können nicht unsensibel gegenüber den Ereignissen auf der Welt bleiben. Nicht allein aus moralischen oder religiösen Gründen, sondern weil wir -heute mehr als gestern- verstehen, dass, wenn die Natur in Südamerika nicht respektiert wird, das zum Beispiel über kurz oder lang Konsequenzen in Europa haben kann. Können die Ereignisse in Syrien uns gleichgültig lassen?
Hat nicht die politisch-ökonomische Krise in Griechenland die Macht, ganz Europa anzustecken?
Schmerzen in den Füßen können den Menschen bis zum Kopf belasten.
Es scheint immer offensichtlicher zu werden, dass die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten auf der Welt von den Menschen geschaffen sind. Die meisten Notlagen wurden von Menschen verursacht und zur Zeit scheint ein ehrlicher, politischer Wille zur Veränderung zu fehlen. Wie lange kann das noch dauern?
Quelle Foto:
Hans-Jürgen Spengemann - pixelio









